Wicker-Magazin 16. Ausgabe · Januar-Dezember 2010 · Jahr der Jubiläen
Druckversion vom 10.01.2010
URL: http://16.wicker-magazin.de/jeder-ist-seines-glueckes-schmied.html

Im Folgenden werde ich mich mit der wichtigen Frage
beschäftigen, welche Faktoren dem subjektiven Wohlbefinden oder dem
Glücksempfinden zugrunde liegen könnten, da wir dazu am ehesten
selbst beitragen können. Unterteilen möchte ich dies zunächst in
äußere, also Situations- und Umweltfaktoren und in innere Faktoren
wie Fähigkeiten und Disposition.
Äußere Faktoren können z.B. sein finanzielle Ressourcen,
Beschäftigungsstatus, Bildung, Familie oder Freizeit. Bzgl. der
finanziellen Ressourcen gilt für die meisten Menschen der Satz,
dass Geld allein nicht glücklich macht. Eine Ausnahme bilden
Menschen, die an der so genannten Armutsgrenze leben.
Untersuchungen in westlichen Industrienationen haben ergeben, dass
bei Menschen, die am Existenzminimum leben, ein Zusammenhang
zwischen Geld und Glück besteht.
Bildung und Beschäftigungsstatus hängen eng zusammen. Menschen, die
arbeitslos sind, sind häufig weniger mit ihrem Leben zufrieden und
weniger selbstbewusst als Berufstätige, was ihr subjektives
Wohlbefinden deutlich vermindert. Partnerschaft und Ehe werden als
Beziehungen mit der stärksten Korrelation bezüglich des Glücks und
Wohlbefindens angesehen. Dies besagen Studien von Glenn und Weaver
aus den 80-iger Jahren und von Wood aus den 90-iger Jahren. D. h.
aber nicht, dass eine Ehe unbedingt glücklich macht. Neben dem
Nutzen ist sie Hauptquelle von Konflikten. Unter günstigen
Bedingungen ist sie Hauptquelle sozialer und emotionaler
Unterstützung mit großen Effekten bezüglich des subjektiven
Wohlbefindens. Zum Thema Freizeit ist anzumerken, dass sie einen
stark positiven Effekt auf das subjektive Wohlbefinden haben kann,
wenn sie mit Sport, Fitness, freiwilliger Arbeit, Vereinstätigkeit,
Musik und stimmungsinduzierten Aktivitäten ausgefüllt wird. Die
populärste Freizeitbeschäftigung, das Fernsehen, spricht keine
Fähigkeiten an, hat allenfalls entspannende oder ablenkende Effekte
und wirkt nicht nachhaltig bei der Steigerung des subjektiven
Wohlbefindens.
Zu den inneren Faktoren, die das subjektive
Wohlbefinden mit beeinflussen können, gehören vier Kategorien:
Kommen wir jetzt zum praktischen Teil der (Glücks-) Schmiedekunst: Um die Wahrscheinlichkeit von subjektivem Wohlbefinden und Glück zu erhöhen, ist es wichtig, die vier Lebensbereiche, die unser Leben ausmachen einigermaßen in Balance zu halten oder aber immer wieder in Balance zu bringen.
Diese vier Lebensbereiche sind:
Für den Bereich Arbeit und Leistung ist es empfehlenswert sich
Ziele zu setzen, die erreichbar sind, so dass sie weder über- noch
unterfordern. Setzen sie sich Tagesziele, Wochenziele und auch
Jahresziele. Noch ein paar Tipps für den Alltag:
Gut sein ist besser als perfekt zu sein. Versuchen sie zu
kooperieren anstatt zu konkurrieren. Versuchen sie ihrer täglichen
Arbeit und ihren Aufgaben einen Sinn zu geben. Nehmen sie keine
Arbeit mit nach Hause, auch nicht im Kopf! Trainieren sie Rituale,
um die Arbeit regelmäßig und pünktlich zu beenden.
Bzgl. Körper und Gesundheit ist es ein Teil der Lebenskunst die Balance zu finden zwischen innerer Uhr und äußeren Anforderungen. Ausreichend und guter Schlaf sind wichtig für Regeneration und Erholung und Voraussetzung für körperliches und seelisches Wohlbefinden. Ausreichend Bewegung: 3x pro Woche mindestens 30 Minuten Ausdauertraining. Dies führt zu Stressabbau, Selbstwertstärkung, Angst- und Depressionsabbau. Entspannung üben: AT, Taiji, Qi Gong etc. Alle 90 Minuten Pause einlegen, bei großen Stresssituationen in den Bauch atmen. Mehr Zeit in Essen investieren, mehr Obst und Gemüse essen, Zeit zum genießen nehmen. Mehr lachen: Lachen baut Stresshormone ab, stärkt die Immunabwehr. Mehr Zeit für Sinnlichkeit und Sexualität, Genuss braucht Zeit.
Gute Beziehungen und soziale Netzwerke sind die wichtigste Basis für Glück und subjektives Wohlbefinden. Der Altersforscher Thomas Glass von der Harvard-Universität fand in einer Befragung von 2007 für Menschen über 65 Jahren heraus, dass gute Freunde das Leben bis zu einem Drittel verlängern können. Dazu reicht nicht allein der Ehepartner, sondern vielfältige Freundinnen und Freunde mit denen wir unterschiedliche Bedürfnisse teilen können.
Kommen wir nun zum 4. Element des subjektiven Wohlbefindens und des Glücks, dem Lebenssinn. Es ist erwiesen, dass Menschen ihr Wohlbefinden erhöhen, wenn sie an Aufgaben beteiligt sind, die für sie persönliche und kulturelle Bedeutung haben. Wichtig ist, dass diese Aufgaben zum Selbstkonzept des Individuums passen und zielrelevant sind. Der Lebenssinn oder die Sinnhaftigkeit von Tätigkeiten sind abhängig von persönlichen Werten und Zielsetzung des Einzelnen und daher sehr individuell. Ändern sich im Verlauf unseres Lebens unsere Werte und Ziele, so ändern wir auch häufig die Dinge, die wir in unserem Leben mit Sinn versehen oder als sinnvoll erachten. Und nun wünsche ich Ihnen viel Freude und Erfolg beim "glücksschmieden".
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Dr. Gabriele Fröhlich-Gildhoff |