Wicker-Magazin 16. Ausgabe · Januar-Dezember 2010 · Jahr der Jubiläen
Druckversion vom 08.01.2010
URL: http://16.wicker-magazin.de/kunsttherapie-in-der-klinik-am-osterbach.html
Vom Team der Abteilung PTH
Da die Gestaltungs-/Kunsttherapie im Konzept der Abteilung
Psychotherapeutische Medizin einen hohen Stellenwert besitzt, ist
es uns, dem Team der Abteilung PTH, ein Anliegen, dieses
therapeutische Angebot in seiner Bedeutung und praktischen
Durchführung kurz vorzustellen.
Dies geschieht unter der Vorstellung, Menschen, die an einer
Therapie in unserem Hause interessiert sind, nachhaltig zu
informieren, um es ihnen zu ermöglichen, für sich eine gute und
stimmige Entscheidung zu treffen und sich vor Antritt der Therapie
innerlich auf die Behandlung einstimmen zu können.
Der folgende Text wurde von den GestaltungstherapeutInnen unserer Abteilung erarbeitet, um einen Einblick in ihr therapeutisches Angebot zu vermitteln.
Die Gestaltungs-/Kunsttherapie "verbindet in
besonderer Weise Freude am kreativen Ausdruck mit einer intensiven
Wahrnehmung inneren und äußeren Geschehens.
Sie verfolgt nicht vorrangig das Ziel, besondere künstlerische
Begabungen zur Entfaltung zu bringen, wobei auch die im Einzelfall
eine wichtige Ressource sein kann. Sie knüpft vielmehr an das
elementare Bedürfnis des Menschen an, sich kreativ-schöpferisch
auszudrücken und in diesem Prozess Einsicht in die eigene
Persönlichkeit zu erlangen. Das Einbeziehen kunsttherapeutischer
Methoden in die psychotherapeutische Behandlung aktiviert eine
ursprüngliche Ressource, die allen Menschen in die Wiege gelegt
ist. […]"
Mit Hilfe des Malens können wir Eindrücke verarbeiten, persönliches Erleben zum Ausdruck bringen, Spannungen regulieren, nach Konfliktlösungen suchen und in diesem Prozess zunehmend in einen schöpferischen Dialog zwischen Innen- und Außenwelt treten.
"Spontanes Zeichnen, Malen und Formen in einer wertungsfreien und akzeptierenden Atmosphäre, die symbolische Sprache der Bilder und ein spielerischer Umgang damit erleichtern den Zugang zu Ressourcen und ermöglichen einen angstfreien Kontakt zu inneren Konflikten. Die Kunsttherapie nutzt sowohl das während des Gestaltungsprozesses Erlebte, als auch das entstandene Produkt mit allen assoziierten Inhalten und Bedeutungen zu Persönlichkeitsentwicklung und Situationsverarbeitung eines Patienten."
(Susanne Lücke, in: Kunsttherapie bei psychischen Störungen; F. von Spreti et al. (Hg.), München 2005, S. 140 f)
Die Gestaltungstherapie unterstützt als
ressourcenorientiertes Verfahren den Selbstheilungsprozess. Sie
wird von uns hauptsächlich in thematisch strukturierten Angeboten
durchgeführt. Die themenorientierte Gestaltungstherapie bietet sich
insbesondere bei Patienten an, die unter Überflutungszuständen
leiden.
Um das Überangebot an Erinnerungen und Assoziationsketten zu
stoppen, kann ein Thema dem Patienten wichtige therapeutische
Unterstützung geben. Die Kontrolle über innere Bilder kann so
besser zurück gewonnen werden. Gerade bei komplex traumatisierten
Patienten ist das innerhalb der Therapie spontane Auftauchen
traumatischer Bilder beängstigend.
Hier ermöglicht das Themenzentrierte Malen, die Aufmerksamkeit zu
fokussieren und den Kontakt zu Ressourcen zu halten.
Des weiteren wird darüber hinaus dem Patienten ein Einstieg in
das Medium der Gestaltung erleichtert. Bei der Auswahl der
gestellten Themen folgen wir den im Konzept der Abteilung PTH
genannten drei Therapiephasen: Anwärm- und Motivationsphase; Phase
der therapeutischen Rekonstruktion; Abschluss- und
Integrationsphase.
Es kommen verschiedene Medien und Techniken mit je eigener Wirkung
zum Einsatz (Malen, Zeichnen, Collage, Plastizieren).
Mit ihren spezifischen Bedingungen fördert die Gestaltungstherapie
Die Gestaltungstherapie bietet die Möglichkeit, im Gespräch über die Gestaltungen das Wahrgenommene und seine qualitativen Aspekte zu benennen, zu differenzieren und damit verfügbar und ggf. einer Modifikation zugänglich zu machen.
Gestaltungstherapie als Gruppenangebot
Das gemeinsame Gestalten in der Gruppe fördert darüber hinaus den Kontakt der Patienten untereinander. Mitteilungen in Form von Sharings ermöglichen zusätzliche Bezüge und die Gewissheit, mit den eigenen Schwierigkeiten nicht allein zu sein.
In der Gruppe können die Beziehungsmöglichkeiten des/der Einzelnen verdeutlicht und bearbeitet werden; Lernen am Modell und korrektive emotionale Erfahrungen werden wirksam.
Die Rehabilitanden in der Abteilung Psychotherapie und
Psychosomatik erhalten Kunst- und Gestaltungstherapie im
Gruppensetting als festen Bestandteil des Therapieprogramms,
zweimal wöchentlich je 90 Minuten in ihrer Basisgruppe.
Dabei sind die einzelnen Einheiten gegliedert in eine
Gestaltungsphase von ca. 30 Minuten und eine Besprechungsphase von
ca. 60 Minuten. Bei Bedarf werden diese Zeiten jedoch variiert,
wenn etwa noch Bilder aus der letzten Einheit zu besprechen
sind.
Die Gruppen werden dabei geleitet von Anne Lassowski, Janina Freiburg oder Thorsten Linne-Rotermund (Dipl.- KunsttherapeutInnen/FH).
Gestaltungstherapie als Einzelbehandlung
Indikationen für die Verordnung von Einzelgestaltung sind beispielsweise
Schwierigkeiten, brisante Themen in der Gruppe zu bearbeiten
gegeben bei Patient/Innen, für die bildnerisches Gestalten ein besonders wichtiges Ausdrucksmittel ist
wenn die Bearbeitung bestimmter Themen eine intensivere und umfänglichere Betreuung erfordert, als dies der Rahmen der Gruppenangebote gewähren kann.
Internet www.klinik-am-osterbach.de