

Das Team der Neurologischen Abteilung
von Chefarzt Dr. med. Carsten Schröter
Vor 10 Jahren wurde in der Neurologischen Abteilung der Klinik Hoher Meissner der Schwerpunkt "Neuromuskuläre Erkrankungen" für jugendliche und erwachsene Patienten eingerichtet. Im Jahre 2008 hatten wir über 400 Patienten mit diesen sonst so seltenen Diagnosen, wie Muskeldystrophien, spinale und neurale Muskelatrophien, Postpolio-Syndrom, Muskelentzündungen und Myasthenien behandelt. Dadurch haben die Patienten in jedem Bereich einen erfahrenen Therapeuten und Ansprechpartner.
Ist aber unsere Therapie auch effektiv? Um diese Frage
beantworten zu können, haben wir den Verlauf der Patienten im Jahre
2008 ausgewertet. Bei nahezu allen Patienten ist bei Aufnahme und
Entlassung neben der ärztlichen Untersuchung auch eine
standardisierte Untersuchung durch die betreuenden Physio- und
Ergotherapeuten erfolgt.
Die Ergebnisse im Verlauf der Behandlung gingen routinemäßig in die
Entlassungsbriefe ein. Es wurden diverse Parameter erfasst, von
besonderer Bedeutung für die Alltagsbewältigung erschienen uns die
in der Tabelle wiedergegebenen Tests. Diese wurden dann statistisch
ausgewertet. Patienten mit einer amyotrophen Lateralsklerose wurden
von dem doch auch anstrengenden Test ausgenommen. Insgesamt standen
exakt 300 Datensätze zur Verfügung.
Die Daten wurden bei der Jahrestagung des wissenschaftlichen Beirates der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke (DGM) in Darmstadt vorgestellt. Die Patienten waren im Mittel 49 Jahre alt, der jüngste Patient war 17, der älteste 84 Jahre alt. Die Behandlungsdauer der erfassten Patienten betrug im Durchschnitt 30,1 Tage, der kürzeste Zeitraum waren 17 Tage, der längste 54 Tage.
Für alle untersuchten Parameter zeigten sich signifikante Effekte der Behandlung. So konnte das wiederholte Aufstehen und Hinsetzen auf einen Hocker innerhalb von 15 Sekunden im Mittel von 4,6 auf 6,4 mal erhöht werden, damit um ca. 38%. Aus der Rückenlage gelang es den Patienten bei Aufnahme innerhalb von 15 Sekunden bei Aufnahme 6,9 mal im Mittel das Gesäß von der Liege anzuheben, bei Entlassung zeigte sich eine Verbesserung um ca. 54% auf 10,6 Wiederholungen. Dieser Wert gibt eine Aussage über die Rumpfstabilität und -beweglichkeit. Rauf wie runter konnte die Zahl der bewältigten Stufen um ca. 22% erhöht werden. Die für eine Gehstrecke von in der Regel 20 m benötigte Zeit wurde von im Mittel 20,6 auf 17,3 Sekunden vermindert. Das entspricht einer Reduktion um 16,2%. Weiter zeigte sich die maximale Dauer, für die die Patienten den rechten Arm seitlich anheben (abduzieren) konnten im Vergleich zur Aufnahme bei Entlassung von im Mittel 38,9 Sekunden auf 52,8 Sekunden verbessert, das bedeutet eine Steigerung um ca. 36%. Die Häufigkeit, in der die Bewegung wiederholt werden konnte, wurde um 39% erhöht, statt im Mittel 15,4 mal nun 21,3 mal.
Dies sind nüchterne Zahlen. Was sie für den Patienten bedeuten, ist daraus nicht abzuleiten. Die Patienten selbst berichten in der Regel darüber, dass ihnen Bewegungen, die sie im Alltag benötigen, leichter fallen, sie fühlen sich sicherer in ihren Bewegungen. Die Bewältigung des Alltags fällt ihnen leichter. Patienten, die erneut in unsere stationäre Behandlung kommen, berichten meist, dass der Effekt der Behandlung 6 bis 9 Monate anhält, obwohl es sich in den meisten Fällen um eine fortschreitende Erkrankung handelt. Dies wurde von uns bislang aber nicht systematisch untersucht.
Die in der internationalen wissenschaftlichen Literatur wiedergegebenen Untersuchungen zeigen die Effektivität aktiver Behandlungen von Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen. Die Auswertung der Patienten-Behandlungen in unserer Klinik bestätigen diese Ergebnisse.
Dr. Carsten Schröter
Chefarzt der Neurologischen Abteilung
Klinik Hoher Meißner
Hardtstraße 36
37242 Bad Sooden-Allendorf
© 2009- Wicker-Gruppe |
Seite empfehlen |
Seitenübersicht |
Artikelübersicht |
Suche |
Aktualisiert am 10.01.2010