
30 Jahre Sonnenberg-Klinik
30 Jahre Freundeskreis Sonnenberg-Klinik e. V. Bad
Sooden-Allendorf
Am 18. und 19. September 2009 fanden in der Sonnenberg-Klinik in Bad Sooden-Allendorf die vom Freundeskreis der Sonnenberg-Klinik e. V. traditionell ausgerichteten "Soodener Gespräche" statt. Die Jubiläumstagung zum 30-jährigen Bestehen der Sonnenberg-Klinik und des Freundeskreises wurde durch Grußworte von Ministerpräsident Koch und der Präsidentin der Deutschen Krebshilfe, Frau Prof. Schipanski (schriftlich) eröffnet. Landrat Stefan Reuß und Bürger meister Frank Hix würdigten die Arbeit der Klinik und ihre Bedeutung für die Stadt und den gesamten Werra-Meißner-Kreis. Der Chefarzt der Sonnenberg-Klinik, Prof. Heim stellte in einem Rückblick die Entwicklung der Onkologie, der Rehabilitation und der Sonnenberg-Klinik in den letzten 30 Jahren dar. Das patientenorientierte Konzept der Klinik, das schulmedizinische und komplementäre Therapiemethoden in einem ganzheitlichen Ansatz vereint, habe sich bewährt und stößt auf große Akzeptanz bei den Patienten.
In einem beeindruckenden Festvortrag "Jeder Tag ist kostbar" ging Frau Daniela Tausch-Flammer auf das Leben im Angesicht des Todes ein. Tod und Sterben sollten nicht verdrängt oder ausgegrenzt werden. Sterben sei auch Bestandteil des Lebens, in das auch Kinder mit einbezogen werden können. Man solle das Leben bejahen und das Lebensgefäß füllen und der Frage, hast du gelebt und geliebt?, mit Achtsamkeit nachgehen.
Die Künstlerin Brigitte Wacker überreichte dem Freundeskreis in einem sehr persönlich gehaltenen Grußwort das Gemälde "Der Engel mit den 30 Flügeln" als Symbol für die Hilfe, die die vielen Patienten in der Klinik erfahren konnten.
Dieses Bild geht als Geschenk an die Klinik und wird kommenden Patientengenerationen Hoffnung machen. Ein Fotodruck des Bildes wurde dann unter reger Beteiligung der Gäste verlost. Der kulturelle Höhepunkt des Tages war dann ein Konzert des Louis Spohr Ensembles mit Werken von Spohr und Tschaikowsky. Die Kasseler Musiker beeindruckten mit einer hinreißenden Darbietung, die sowohl einfühlsam als auch dynamisch, z. T. auch mit vollem Körpereinsatz war.
Die Vorträge am Samstag waren informativ und gleichzeitig geprägt vom Gedanken, Gesundheit und Heilung nicht dem Arzt alleine zu überlassen, sondern eigene Impulse zur Gesundheitsförderung einzusetzen. Für ein grundsätzliches Umdenken in der Medizin plädierte Dr. Platsch, Internist aus Prien und Experte für traditionelle Chinesische Medizin in seinem Vortrag "Heilendes Feld - Was wir selbst für unsere Heilung tun können". Die rein biomedizinisch materielle Medizin sei durch ein heilendes Feld abzulösen, in dem auch geistige Kräfte wirken können. Wenn das Nötige getan wird, um das Mögliche zu erreichen, kann auch das Unmögliche geschehen. Hierzu sei es aber nötig, dass der Patient seine passive Rolle ablegt und mit dem Arzt seine eigenen heilenden Ressourcen im Sinne einer Salutogenese aktiviert. Nach Platsch sind Offenheit, Freude, Humor, Ordnung und Vertrauen Kraftquellen, die es zu nutzen gilt. Insbesondere der chronisch Kranke kann damit seinen inneren Arzt aktivieren und zur Heilung beitragen.
Dieser Gedanke wurde von Prof. Breuer, Internist und Chefarzt aus Görlitz, aufgegriffen "Arzt und Patient im Gespräch". Die zentrale Bedeutung der Kommunikation und Gesprächsführung für den Heilungserfolg ist vielfach nachgewiesen. Das Gespräch sollte mit dem Arzt auf Augenhöhe erfolgen, was durchaus wörtlich zu nehmen ist. Ein Blickkontakt des Arztes im Stuhl am Bett des Patienten ist allemal vertrauensfördernder als die von Patienten oft bedrohlich erlebte klassische Visite von "oben nach unten". Leider sind die Bedingungen im Akutkrankenhaus durch Fallpauschalen, privatwirtschaftliche Klinikbetreiber mit Renditeerwartungen usw. so, dass die sprechende Medizin immer mehr an Raum verliert.
Hormonentzugsbeschwerden können im Klimakterium oder bei
antihormoneller Therapie bei Brustkrebs sehr belastend sein. Prof.
Wuttke, Abt. für Endokrinologie der Universitätsfrauenklinik in
Göttingen fasste den Stand der Forschung zusammen und gab Hinweise
für Behandlungsmöglichkeiten. Das sogenannte Japanische Phänomen,
nämlich die Tatsache, dass Japanische Frauen, die sich traditionell
ernähren, seltener Brustkrebs entwickeln, wird durch die typische
Ernährung erklärt. Japanische Frauen essen sehr fettarm und nehmen
viele Sojaprodukte zu sich. Die Schutzwirkung scheint aber nur zu
bestehen, wenn bereits vor der Pubertät viel Soja gegessen wird.
Soja enthält u. a. Isoflavone, insbesondere Genestein, die als
Phytöstrogene (SERM: Selektive Östrogenrezeptormodulatoren) an
Östrogenrezeptoren binden und hier aktivierend und hemmend wirken
können. Aus experimentellen Daten kann man ablesen, dass hohe Dosen
von Sojaisoflavonen östrogenrezeptorpositive Brustkrebszellen
aktivieren können. Dieses Risiko besteht insbesondere bei
Sojakonzentraten, z. B. Sojakapseln in großen Mengen, während
Sojanahrungsmittel (Tofu, Sojamilch usw.) als unproblematisch
angesehen werden.
Keine östrogenrezeptoraktivierende Wirkung und damit unbedenklich
ist der Extrakt der Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa).
Studien konnten eine deutlich bessere Wirkung als Placebo, das
immerhin bei der Hälfte der Patientinnen einen Effekt hatte,
nachweisen.
Selbsthilfegruppen unterstützen betroffene Mitpatienten durch Information und Interessensvertretung gegenüber Politik und Krankenkassen. So setzt sich auch die mammazone, "Frauen und Forschung gegen Brustkrebs", für eine moderne, dem wissenschaftlichen Wissensstand entsprechende Nachsorge ein. Die derzeit in Leitlinien festgelegte symptomorientierte Nachsorge, die sich in den letzten 15 Jahren nicht geändert habe, müsse überprüft werden. Dies soll in einer großen Studie (PONS: Patientenorientierte Nachsorgestiftung) mit hohem technischen Aufwand erfolgen, für die derzeit noch Forschungsgelder gesammelt werden.
In 10 verschiedenen Arbeitsgruppen, von der Ernährung, über die Atmung bis zur Biographiearbeit konnten sich die Patienten dann aktiv einbringen. So versuchte eine Gesprächsgruppe von Männern unter Leitung eines Betroffenen und Ärzten der Klinik der Frage nachzugehen, warum die Lebenserwartung von Frauen im Vergleich zu Männern immer noch 6 Jahre länger ist.
Warum nutzen Männer Früherkennungsuntersuchungen so selten? Angst vor der Diagnose Krebs, aber auch Angst vor den Folgen einer Therapie, z. B. des Prostatakarzinoms hält offenbar viele Männer davon ab, zum Arzt zu gehen.
Die Frage, ob und wann ein Screeningtest mit dem Labormarker PSA (Prostataspezifi sches Antigen) sinnvoll sei, konnte auch in der Gruppe nicht geklärt werden. Die S3-Leitlinie der Deutschen Krebsgesellschaft zum Prostatakarzinom hat sich ebenfalls hier nicht eindeutig festlegen wollen, sondern empfahl Aufklärung über den Test und Entscheidung und Kostenübernahme des Testes durch den Patienten.
Dass die Sprache Wirkung auf das Befinden und Denkmuster hat, wurde in einer weiteren Arbeitsgruppe er - arbeitet ("Die heilsame Kraft der Sprache"). Spezifische Ausdrücke, Satzmuster und Redewendungen können belasten oder eine heilsame Wirkung entwickeln. Durch Achtsamkeit und Training ist es möglich, unbewusste Denkmuster zu verändern und die Sprache als Kraftquelle zu entwickeln.
Mit einem ausgelassenen Gruppentanz und dem Freilassen von Luftballons mit Wunschzetteln in den Abendhimmel fand die Tagung einen runden Abschluss.
Alle Besucher waren sich einig: Wir sehen uns wieder bei den Soodener Gesprächen am 17. und 18. September 2010.
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Aktualisiert am 10.01.2010