
von Dr. med. Schäfer
Die Hardtwaldklinik II in Bad Zwesten hat als etablierte psychosomatische Rehabilitationsklinik am ersten April 2009 eine Krankenhausabteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie eröffnet. Diese ist durch Entscheid des hessischen Sozialministeriums mit 15 vollstationären Behandlungsplätzen in den Krankenhausplan des Landes Hessen aufgenommen worden.
In einer intensiven Planungs- und Vorbereitungsphase Anfang 2009
wurden die Weichen gestellt für eine personelle, organisatorische
und bauliche Trennung der Krankenhausabteilung von den
Rehabilitationsabteilungen der Klinik.
Durch den Aufbau der Krankenhausabteilung wurden in der
Hardtwaldklinik II insgesamt 11 Arbeitsplätze neu geschaffen. Das
Behandlungsteam ist multidisziplinär besetzt und besteht im Kern
aus langjährig in der Psychosomatischen Medizin erfahrenen
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Dem Behandlungsteam gehören in
Voll- oder Teilzeit an:
Das Behandlungskonzept beruht auf einem ganzheitlichen Krankheitsmodell. Es berücksichtigt körperliche, psychische und soziale Aspekte der Erkrankung. Psychotherapeutische Behandlungsmaßnahmen stehen meist im Vordergrund. Die therapeutische Grundausrichtung der Krankenhausabteilung ist tiefenpsychologisch. Psychodynamische Behandlungsansätze werden fallbezogen erweitert um Techniken der Verhaltenstherapie und der Traumatherapie.
Als große Fachklinik mit mehr als 30-jähriger Tradition in der psychosomatischen Rehabilitation verfügt die Hardtwaldklinik II über Behandlungserfahrungen im gesamten Indikationsgebiet der psychosomatischen Medizin. Um die Behandlungskapazität der neuen Krankenhausabteilung bevorzugt Menschen aus der Region zur Verfügung stellen zu können, wurde auf eine ausgrenzende Spezialisierung bewusst verzichtet. Erste sehr positive Behandlungsergebnisse bestätigen unsere Binnendifferenzierung in zwei Behandlungsstränge.
Konfliktorientiertes Setting
Für Patienten die von niederfrequenter ambulanter Psychotherapie nicht ausreichend profitieren. Wichtig sind hier, neben dem Milieuwechsel, die deutliche Intensivierung der Therapiedichte und vor allem der ambulant nicht zu leistenden multimodale Behandlungsansatz, d. h. die sinnvolle Kombination von Einzel-, Gruppen- und Kreativtherapien.
Stabilisierendes Setting
Insbesondere für Patienten mit akuten Belastungsreaktionen und posttraumatischen Belastungsstörungen, teilweise auch für Menschen mit Persönlichkeitsstörungen und Psychosomatosen im engeren Sinne. Ressourcenorientierte und stabilisierende Psychotherapie steht hier im Vordergrund.
Eine Krankenhausbehandlung ist angezeigt entweder bei einer akuten und schweren psychosomatischen Erkrankung oder bei eingetretener oder drohender Dekompensation im Rahmen einer chronischen Erkrankung. Bei Patienten die in der Vergangenheit in somatischen Krankenhausabteilungen fehlbehandelt wurden und eine notwendige psychotherapeutische Behandlung bislang aus inneren Barrieren nicht aufnehmen konnten, kann eine Krankenhausaufnahme zur Förderung eines psychosomatischen Krankheitsverständnisses sinnvoll sein. Patienten mit psychotischen Erkrankungen, Suchterkrankungen, hirnorganischen Abbauprozessen und akuter Selbstmordgefährdung können nicht behandelt werden.
Durch die meist langjährige Berufserfahrung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gebiet der Psychosomatischen Medizin, klappte der Start im April reibungslos. Von Beginn an zeigten sich Patienten in hohem Maß zufrieden über die therapeutische Professionalität und den wertschätzenden Umgang der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Nach den ersten Erfahrungen liegt das Durchschnittsalter der Patienten der Krankenhausabteilung unter dem Altersdurchschnitt auf den Rehabilitationsabteilungen. Vermehrt kommen junge Menschen mit akuten psychosomatischen Beschwerden zu uns, die noch zur Schule gehen oder sich in beruflicher Ausbildung befinden. Gesundheitliche Beeinträchtigungen durch berufliche Be- und Überlastungen spielen natürlich auch bei den Krankenhauspatienten eine Rolle, stehen aber, anders als in der psychosomatischen Rehabilitation, meist nicht im Vordergrund.
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Aktualisiert am 10.01.2010